Schlacht bei Schwaderloh 1499

Schwaderloh ist ein Weiler. Die paar Häuser liegen eine knappe Wegstunde südlich von Konstanz an der Strasse, die über den Seerücken ins Thurtal führt. Schwaderloh bedeutet Schwaderwald und hat mit „Loch“ oder Engpass nichts zu tun. “Schwader“ stammt vom lateinischen „schwadere“ ab und bedeutet ins deutsche übersetzt Pfütze. “Loh“, heisst vom lateinischen abgeleitet „Wald“. Die Stellung im Schwaderloh war aber von grösster Bedeutung für den Ausgang des Schwabenkrieges.

Konstanz
Konstanz war eine feindliche Stadt, ein gefährliches Ausfallstor am diesseitigen Ufer des Rheins. Gute Zufahrtsstrassen ermöglichten das heranführen von Artillerie und von Nachschub jeder Art. Konstanz war die grösste Stadt an der feindlichen Front und bot am meisten Vorzüge. Hier fanden die deutschen Landsknechte auch im Winter warme Quartiere.

Schwaderloh
Die eidgenössischen Anführer erkannten die Gefahr, die von Konstanz her drohte. Gegen Konstanz gab es nur einen einzigen Punkt, den man besetzen und um jeden Preis halten musste: Schwaderloh. Von dort konnte man sämtliche Bewegungen des Feindes verfolgen. Wer hier eindringen konnte dem stand der Weg nach Weinfelden und Frauenfeld offen.

Die schlichten Bauernhäuser bei Schwaderloh genügten nicht für die Aufnahme mehrerer hundert Knechte. Das Zelten im Winter war bei den Eidgenossen nicht üblich. Die Mannschaften der einzelnen Orte verteilten sich auf die umliegenden Dörfer. Drohte unmittelbare Gefahr, so loderten die Höhenfeuer, qualmten die Rauchsignale oder läuteten die Sturmglocken.

  • Alterswilen                                                                           
  • Ellighausen                                                                    
  • Engelswilen 
  • Dotnacht      
  • Hugelshofen    
  • Lippoldswilen  
  • Neuwilen
  • Dippishausen
  • Siegershaus

Hier vertrieben sich die Eidgenossen die Zeit, schliefen auf Heu und Stroh und warteten auf den Feind. Es war ein Nervenkrieg! Schon im Januar 1499 standen unsere Knechte in Schwaderloh. Der Hauptmann der Schwyzer meldete am 2. Februar 1499 an seine Obrigkeit nach Hause:

Die Feinde haben im Sinn, vorerst die Knechte in Schwaderloh anzugreifen, dann Frauenfeld einzunehmen, die Einwohner um Leib und Gut zu bringen und den ganzen Thurgau zu besetzen.

 

Es geschah dann vorläufig nichts, die Eidgenossen aber blieben auf der Hut.

Am 1. März 1499 setzten die Abgeordneten an der Tagsatzung in Zürich die Aufgebote für die einzelnen Orte fest:

Uri 100 Knechte / Schwyz 100 Knechte / Unterwalden 100 Knechte / Luzern 100 Knechte / Zürich 100 Knechte / Glarus 100 Knechte / Zug 100 Knechte / Freiburg 100 Knechte / Bern 120 Knechte / Schwaderloh 50 Knechte / Baden 50 Knechte / Diessenhofen 20 Knechte

Diese aufgebotenen Knechte schlossen sich den Thurgauern an. Im Feld sah es oft anders aus als auf den eidgenössischen Pergamenten: Wochenlang im Schnee oder im Pflotsch! Nasse und gefrorene Kleider! Husten und kaltes Nachtlager! Sie bekamen den Verleider, den Grenzkoller.

Schon wieder schrieb der Schwyzer Hauptmann einen Brief nach Hause:

Die Leute halten es im Feld nicht mehr länger aus, zumal Speise, Trank und Kleider fehlen und viele unter ihnen erkrankt sind. Länger als bis ende dieses Monats will niemand mehr bleiben. Jeder möchte die Seinen wieder einmal sehen.

Die Gefahr aber drohte weiter, die Scharmützel dauerten an. Jeden Tag trommelten die eidgenössischen Wächter ihre Landsleute aus der Unterkunft. Sie waren in der Minderheit, und ihnen fehlte vor allem die Artillerie. Nun musste etwas geschehen. Eine Entscheidung musste fallen! Die alten Schweizer hassten den langweiligen Dienst an der Grenze: Auf dem Schlachtfeld sind wir Meister!

Am 4. April 1499 fassten die Eidgenossen in Zürich einen kühnen Plan. Von Baden und Sargans aus wollte man am 13. April zu einer grossen Zangenbewegung rund um den Bodensee aufbrechen.

Alle wollten! Nur die Berner nicht! Wie früher schon dachten sie an ihre eigene Vorteile, wollten es mit Maximilian nicht verderben... Die Schlacht, welche die Eidgenossen schon lange gesucht hatten, brach dann ganz unerwartet am 11. April 1499 über sie herein. Beinahe wäre alles schief gegangen.

Es begann vor dem ersten Hahnenschrei. Stiller Alarm in Konstanz! Mehr als 6000 schwäbische Landsknechte eilten zu ihren Sammelplätzen! Kein Pfeifenspiel! Kein Trommelwirbel! Heute werden die Eidgenossen in Ermatingen überrumpelt! Lautlos zogen die Schwaben aus den Toren der Stadt Pferdemist lag auf den Holzbrücken.

Er dämpfte Schuh, Huf und Rad. Gleichzeitig glitten von der Insel Reichenau her die feindlichen Schiffe wie Schatten durch die Morgendämmerung gegen das thurgauische Ufer.

In Ermatingen ruhte eine Schar von 600 Eidgenossen truppweise in den Bauernhäusern. Halbarten und Langspiesse lagen unter den Vordächern. Nur einzelne Wachtposten waren in einiger Entfernung vom Dorf aufgestellt: Späher und Hunde. Sie witterten den Feind Meldeläufer keuchten ins Dorf: Alarm!!! Zu den Waffen! Zwei Haufen bildeten sich. Der Eine stürmte nach Osten gegen Konstanz, der Hauptmacht entgegen, der Andere versuchte, den Angriff vom See her abzuwehren. Und schon lagen 80 Schweizer tot in den Feldern.

6000:600 = 10:1

Die Wucht und die Masse der Feinde waren zu gross. Nun geschah etwas Einmaliges: Ohne Ordnung über Stock und Stein flohen die Eidgenossen südwärts in die nahen Wälder und Tobel. Sie mussten alles im Stiche lassen.

Was nicht niet- und nagelfest war, wurde von den Schwaben als Beute erklärt und mitgenommen. Was als Platzmangel zurückbleiben musste, schlug man zusammen und übergab es den Flammen. Den Feinden fielen auch zwei Luzerner Feldschlangen in die Hände. In letzter Stunde waren diese Geschütze aus der Innerschweiz eingetroffen. Sie kamen nicht zum Schuss, und dieser Verlust würgte schmerzlicher als die erlittene Schlappe. Jeder Chronist berichtet darüber. Um 6 Uhr morgens hatte der Tumult begonnen, um 7 Uhr hatte der Feind Ermatingen besetzt. Sowie die Eidgenossen kurz vorher in Hegnau gewütet hatten, so wüteten nun die Schwaben bei uns. Hauptmann von Randegg schwor

„juchzed bi Gots marter, er welte uf den Tag im Swytzerland röchen und brennen, dass Got im regenbogen vor roch und hiz müeste blinzen und d`fiess an sich ziehen.“

Alles wurde ausgeplündert. Ein Teil des Dorfes ging in Flammen auf, und die Strohdächer qualmten stark, dass die Einwohner zu Zell, Überlingen und Lindau meinten, der ganze Thurgau sei erobert und fahre im Rauch zum Himmel.

Die entflohenen Eidgenossen hasteten unterdessen durch die Wälder gegen Schwaderloh. Die Meldung vom Ausgang des Gefechtes in Ermatingen traf im Eidgenössischen Hauptquartier etwa um 9 Uhr ein.

Rudolf Hass der Feldhauptmann, liess Trommeln schlagen, jagte seine Meldereiter in die Dörfer und Lager und sammelte seine Mannschaft an einem verabredeten Ort. Unterdessen verfolgten eidgenössische Spione alle Bewegungen des Feindes mit scharfen Augen und Rudolf Hass fasste seinen Entschluss:

„Wir werden den Feind auf seinem Rückmarsch nach Konstanz von der Seite angreifen.“

Aus der Schlappe heraus bauten nun die kriegsgewohnten Eidgenossen einen Gegenangriff auf. Die Hauptleute verfügten über eine Mannschaft von Draufgängern aus den acht Orten, aus dem Thurgau, von Sankt Gallen (St.Gallen) und Bischofszell.    

Es waren knapp 1500 Mann:

  • Langspiesser
  • Halbartenträger
  • Handbüchsenschützen und
  • Armbrustschützen

So bewegte sich am frühen Nachmittag die Kolonne in Deckung dem Feind entgegen, der sich immer noch in Ermatingen und Triboltingen austobte.

Oberhalb Triboltingen aber lauerte indessen schon die Schar der Schweizer hinter Busch und Baum am Waldrand. Unten in der Ebene näherten sich die lärmenden Schwaben. Reiterei, Fussvolk und Artillerie zogen ahnungslos heimwärts in Richtung Konstanz. Beutewagen und Geschütze rumpelten im Zuge mit. Es war ein fröhlicher Festzug. Trester, Most und Wein hatte die militärische Ordnung aufgeweicht.

Oben am Waldrand murmelten die Eidgenossen ein kurzes Gebet:

“Mir wend mit Gots hilf noch uff den hüttigen Tag gross Lob und ehr inlegen.“

Dann ging der Teufel los! Wie ein Sturmwind brausten sie über Feld und Acker. Pfeifen schrillten! Trommeln rasselten! “Bumperlibum aberdran heiahan!“ Ein Chronist schrieb später: “...die Eidgenossen lüffend also mit grossem Zorn und ungestümklich uss dem wald entweris (entweris=quer) die vigend, das der wald entornet, als ob das Wuotis her (wuotis her=Woandersher) kem.“

Die Schwaben schreckten auf, nützten die kurze Frist, vermochten in aller Eile einen geordneten Haufen zu bilden und stellten sich zum Kampfe bereit.

„Und ward ein sollicher rouch und so ein grim wesen mit schiessen, stechen, hauen und schlachten, dass ich es genuogsam nit beschrieben kan.“

Die Heermassen wogten hin und her, denn die schwäbischen Landsknechte standen baumstark in ihren Reihen:

“Sie stoundet so stark, das stich um stich, striech um striech ging, bis ihnen zwei gelid zuo boden gestochen wurdend.“

Erst jetzt geriet die Ordnung ins Wanken. Die Eidgenossen hatten den „Druck“ durchgestiert. Zuerst ergriffen die feindlichen Fähnriche die Flucht und dann das ganze Herr.

Die Eidgenossen bewiesen im Trubel der Schlacht grösste Disziplin. Die Hauptleute verloren die Übersicht nicht, und der gefürchtete Schweizer-Igel löste sich nicht auf. Nur so konnte die schwäbische Kavallerie abgewehrt werden, die den Schweizer Haufen stets von neuem bedrohte.

Und nun? Was ein Chronist dazu schreibt:

Also, teiltend sich die Eidgenossenin
zwen hufen,
zog ein teil an den reisigen züg, (reisigen=berittene Söldner)
die uff ze halten,
die anderen iltend dem fuoss volk nach
die halden nider,
stachend und schluogend zu tod,
was inen werden mocht


Die Reisigen hielten sich derart tapfer vor den Langspiessern, dass nun der andere Teil der Eidgenossen die fliehenden Landsknechte verfolgen konnte. Diese rannten um ihr Leben. Sie schleuderten Beute und Waffen von sich. Über Gottlieben und die Sumpfwiesen des Tägermooses suchten sie die schützenden Mauern von Konstanz zu erreichen. Ganze Haufen wateten durchs Schilf und sprangen in den Rhein. Sie drängten sich in rettende Schiffe. Überladene Boote kippten, und hilflos versanken die schon Geborgenen in den Fluten.

Diejenigen, die Konstanz erreichten fanden die Tore verschlossen. Warum? Sicher hätten sich mit den einigen Leuten auch die siegreichen Schweizer in die Stadt gedrängt. So tobte die Schlacht vor den Mauern 4 Stunden lang weiter. Bittere Stunden für den geschlagenen Feind!

Am Abend war das Feld bedeckt mit weggeworfenen Waffen, zurückgelassener Beute und den Toten. Die Sieger knieten nieder und beteten für ihre gefallenen Brüder: “Kyrie Eleison, Herr erbarme dich unser!“

Am folgenden Morgen erhielten die Bewohner von Konstanz die Erlaubnis, die Leichname ihrer Angehörigen heimzuholen. Es schritt ein Trauerzug von Priestern und Frauen, Kindern und alten Männern auf das Schlachtfeld hinaus, zog betend in die Stadt zurück und auf die Friedhöfe.

Die Beute der Eidgenossen war gross, und besondere Freude herrschte im Luzerner Lager. Ihre beiden Feldschlangen standen wieder da neben vielen anderen Geschützen, die der Feind zurücklassen musste. Auch die beiden Stadtbanner von Ulm und Wangen blieben in eidgenössischem Besitz. Die Eroberung von Feldzeichen galt als höchste Ehre.

So fand der 11. April 1499 nach einem unheilvollen Morgen für die Eidgenossen doch noch einen erfolgreichen Abschluss.

Und die Thurgauer? Sie hielten jederzeit fest zu den Eidgenossen. Auf ihre Treue durften die schweizerischen Hauptleute bauen. Im siegreichen Heer bei Schwaderloh kämpften zwei Drittel Thurgauer, und nur ein Drittel bestand aus den Zuzüglern der Orte. Die Thurgauer hatten also ihren Heimatboden unter eidgenössischer Leitung zum Grossen Teil selbst verteidigt.

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